1
Mai
2007

Der 1.Mai

Guten Tag!

Heute ist der 1.Mai, ein Feiertag. Meine Großmutter hat immer gesagt: "Das ist ein gottloser Feiertag!" und hat deswegen ein ganz besonders langes Tischgebet beim Mittagessen gesprochen.

Mir war das aber der liebste von allen Feiertagen. Das habe ich aber keinem gesagt. Das war mein Geheimnis und das war so:
Wir waren katholisch und meine Großeltern waren sehr fromm und strenggläubig und haben niemals einen Gottesdienst ausgelassen. Und da haben sie natürlich genau gesehen, ob wir auch in der Kirche sind oder nicht. Und darum hat sich meine Mutter nicht getraut, an einem Sonntag oder Feiertag nicht in die Kirche zu gehen.
Meine Schwester Margarethe und ich mussten immer brav mitgehen, damit wir keine gottlosen, missratenen Menschen werden. Und weil der Weg zur Kirche weit war, mussten wir genauso früh aufstehen wie an einem Schultag. Nur dass wir an einem Schultag ein Frühstück bekommen haben und vor der Messe nicht, weil da muss man nüchtern sein bis zur Kommunion.

Und so sind wir das ganze Jahr jeden Tag früh aufgestanden und ich konnte mich nie ausschlafen. Nur an einem einzigen Feiertag war das anders: am 1.Mai!

Da war kein Gottesdienst und weil wir so katholisch waren, sind wir auch nicht zum Mai-Aufmarsch gegangen. "Du gehst mir nicht zu den Gottlosen!" hat meine Großmutter immer geschimpft. Aber da wollte ich eh nicht hingehen. Nicht wegen der Gottlosigkeit, die wollte ich schon gerne sehen, weil ich schon als Kind neugierig war und das war alles so geheimnisvoll.
Aber ich habe mich schon das ganze Jahr so auf den einzigen Tag gefreut, wo mich meine Mutter nicht zeitig aufgeweckt hat. Da durfte ich endlich ausschlafen und länger im Bett liegen bleiben.
Das war so wunderbar! Fast wie im Paradies.

Und dann war es mir auch egal, ob meine Großmutter zum Mittagessen noch einen Rosenkranz mehr aufsagt wegen der ganzen traurigen Gottlosigkeit. Mir hat die Gottlosigkeit sehr gut gefallen! Hihi. Aber das war mein Geheimnis.

Auf Wiederschauen!

20
Apr
2007

Mein Stammbuch

Guten Tag!

Die liebe Frau Kreszenzia hat mich so an mein Stammbuch erinnert, dass ich es gleich gesucht habe. Ich heb ja so viel auf! Aber manchmal ist das ja auch gut, so wie jetzt, weil jetzt freut es mich doch, dass ich mein altes Stammbüchlein wieder gefunden habe. Es hat einen schönen Samteinband in dunkelrot und vorne steht "Poesie" drauf. Uije, das Papier ist schon ganz gelblich! Naja, es ist ja auch nicht mehr das Jüngste.

"Ich schreibe mich aufs letzte Blatt,
weil ich dich am liebsten hab."
Deine Freundin Josefine

Wer war denn das? Ich kann mich gar nicht mehr erinnern. Sie muss mit mir in die Schule gegangen sein, aber mir fällt nicht ein, wer das war. Na sowas.
Ich glaube, ich war gar nicht so gut mit ihr befreundet. Das hat sie wahrscheinlich nur geschrieben, weil ihr kein anderes Sprüchlein eingefallen ist. Manche haben ja in jedes Stammbuch den gleichen Spruch geschrieben, weil sie keinen anderen gewußt haben.

Aber wer war das denn? Das geht mir jetzt nicht aus dem Kopf. Ich werde die alten Klassenfotos herausholen, vielleicht fällt es mir dann wieder ein.

Auf Wiederschauen!

18
Apr
2007

Mein Tagebuch

Guten Tag!

Ich habe schon vor einigen Tagen versprochen, über meine Erfahrungen mit meinem Tagebuch zu berichten, aber die Frage mit dem Internet oder Internetz oder Internett hat mich so beschäftigt, dass ich darauf fast vergessen habe.
Ich hoffe, der liebe Herr Opa ist nicht zu böse wegen meiner Vergesslichkeit, aber vielleicht ist das im Internett auch gar nicht so schlimm.

Mein Tagebuch.
Mein erstes Tagebuch habe ich von meiner Tante Susanne zum Namenstag geschenkt bekommen. Heute wird der Namenstag ja gar nicht mehr gefeiert, aber früher schon. So wichtig wie der Geburtstag war er ja nie, aber ein kleines Geschenk hat man doch immer bekommen und das war sehr fein. Mein Namenstag war nämlich fast genau ein halbes Jahr nach meinem Geburtstag und da war die Warterei bis zum nächsten Mal, wo man endlich ein Geschenk bekommt, nicht so lang.

Das war schon ein Glück! Mir haben sie nämlich den Namen von meiner Tante gegeben. Die Tante Susanne hatte viel mehr Geld wie wir und meine Eltern haben damals gehofft, dass sie viele schöne Geschenke macht, wen ich ihren Namen trage.

Bei meiner großen Schwester Margarethe haben sie einen Namen genommen, der in der Woche von ihrem Geburtstag war, weil man das damals so gemacht hat. Und darüber ärgert sich die Margarethe schon ihr ganzes Leben. Hihi. Weil, wenn die Tage so nahe beieinander liegen, macht man alle Feierlichkeiten an einem Tag und bekommt nur einmal Geschenke und dann muss man wieder ganz lange warten bis zum nächsten Festtag.
Darum war sie immer so eifersüchtig auf mich und hat unseren Eltern vorgeworfen, dass sie nicht früher an die reiche Tante Susanne gedacht haben und so. Aber unsere Eltern haben gesagt, dass man beim ersten Kind halt noch nicht so schlau ist. Und das hat die Margarethe dann noch mehr geärgert und dann hat sie angefangen, ihr strenges Gesicht zu machen.

Aber für mich war das alles eine glückliche Fügung und die Tante Susanne hat mir auch mein erstes Tagebuch geschenkt. Es war ganz dunkelgrün mit roten Röschen und hellgrünen Blättern und hatte ein kleines Schloss mit einem kleinen Schlüssel. Der Schlüssel war so klein, dass ich ihn auf mein Halsketterl mit dem Schutzengerl hängen konnte und das war sehr praktisch. Weil da war er sicher vor der Margarethe und ihrer neugierigen Nase.

Damals war alles noch ganz anders als heute, weil da war das Tagebuch noch streng geheim. Aber geschrieben habe ich immer schon gern. Und das mit dem Tagebuch im Internett ist auch sehr schön, weil mir schon so viele liebe Menschen was reingeschrieben haben. Eigentlich ist das Tagebuch im Internett sowas wie ein Tagebuch und ein Stammbuch zu gleich!

Auf Wiederschauen!

13
Apr
2007

Das Internett

Guten Abend!

Heute ist es schon spät geworden, aber ich komme gerade von meiner lieben Frau Nachbarin. Sie ist aus dem Urlaub zurückgekommen und wir haben einen Kaffee getrunken. Und endlich weiß ich, wie es richtig heißt das Internet oder Internetz oder Internet. Es heißt Internet!

Aber, sagt meine liebe Frau Nachbarin, im Internet ist das alles nicht so streng. Man darf auch anders sagen und schreiben und viele Leute haben eine Freude daran, mit den Wörtern zu spielen. Und, sagt sie, das ist nicht nur beim Internet so, sondern das gibt es zum Beispiel auch beim Handy. Manche Menschen schreiben Hendi, weil das ein lustiges Wortspiel mit Henderl ist und nicht weil sie einen Fehler machen.

Das hat mich sehr erleichtert! Ich habe immer ein bißchen Angst, dass ich etwas falsch mache. Aber das Internet ist gar nicht so förmlich. Es gefällt mir immer besser - das Internett. Hihi.

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10
Apr
2007

Das Schreiben

Guten Tag!

Das Schreiben ist recht ungewohnt für mich. Natürlich kann ich schreiben! Aber in den letzten Jahren habe ich nicht sehr viel geschrieben. Nur so kurze Sachen wie meinen Einkaufszettel oder eine Grußkarte zu Weihnachten und da schreibt man nicht sehr ausführlich.

Früher habe ich viel mehr geschrieben. Ausführliche Briefe an die Verwandtschaft, damit sie alle Neuigkeiten erfahren, und schöne Grüße zu Weihnachten, zu Ostern, zum Geburtstag, zum Namenstag und auch Gratulationen zu Jubiläen. Damals war das Telephonieren sehr teuer und wir haben nur bei ganz besonders wichtigen Angelegenheiten telephoniert.

Ich habe immer sehr schön geschrieben. Durch mein Tagebuch hatte ich viel Übung und meine Briefe und Grüße haben allen sehr gefallen! Aber dann wurde immer weniger geschrieben, weil das Telephon billiger geworden ist und es ist ja auch bequemer.

Ich bin das Schreiben gar nicht mehr gewohnt. Aber das ist das Schöne am Internet oder Internetz oder Internett, da komme ich wieder zum Schreiben. (Meine liebe Frau Nachbarin ist auf Urlaub und ich konnte sie noch nicht fragen, wie es richtig heißt das Internet oder Internetz oder Internett.)

Auf Wiederschauen!

9
Apr
2007

Mein kleiner Spaß

Guten Tag!

Ich habe gerade etwas gemacht. Hihi. Ich habe mich dreimal hintereinander angemeldet und gleich wieder abgemeldet. Hihi. Das hat mir Spaß gemacht!

Jedes Mal, wenn ich mich anmelde, sagt das Internet oder Internetz oder Internett zu mir: "Willkommen, Frau Burger. Viel Spaß!" Und wenn ich mich abmelde, dann sagt es: "Auf Wiedersehen, Frau Burger. Bis demnächst!" Das freut mich so, ich muss dann immer schmunzeln. Und jetzt habe ich das gleich dreimal hintereinander gemacht. Hihi.

Das Internet oder Internetz oder Internett spricht auch sehr unförmlich. Nur "Willkommen" ohne "Herzlich" und "Viel Spaß!" und "Bis demnächst!" Das ist schon sehr ungeniert. Meine Schwester Margarethe würde da ihr strenges Gesicht machen und sagen: "Das ist frech!" Aber mir gefällt das irgendwie.

Ich mag das Internet oder Internetz oder Internett. (Aber wie heißt es jetzt wirklich, das verwirrt mich noch. Aber vielleicht ist das gar nicht so genau geregelt! Es ist ja auch nicht so förmlich, wenn es mit mir spricht.)

Auf Wiederschauen!

7
Apr
2007

Meine Verwirrung

Guten Tag!

Jetzt hätte ich fast geschrieben "Mein liebes Tagebuch", aber dann habe ich mir gedacht, dass man das bei einem Tagebuch im Internet vielleicht nicht macht.

Ich bin verwirrt. Der Herr Einstein schreibt "Internetz" und meine liebe Frau Nachbarin sagt "Internet". Wie heißt das jetzt richtig? Vielleicht höre ich auch nicht mehr so gut und es heißt "Internetz". Aber der Herr Einstein spricht nicht immer alles korrekt aus und vielleicht hat er sich nur vertippt.

Ich werde meine liebe Frau Nachbarin fragen, wenn ich sie das nächste Mal sehe. Sie ist ein junger Mensch und kennt sich da bestimmt besser aus!

Das Internetz oder Internet ist gar nicht so leicht.

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6
Apr
2007

Meine Vorstellung

Guten Tag!

Ich bin die Frau Burger Susanne und das ist mein Tagebuch im Internet. Ich bin ganz aufgeregt!

Meine liebe Frau Nachbarin hat gesagt, dass man heutzutage die täglichen Tagebucherinnerungen in einen Computer schreibt. Und auch, dass man nicht mehr hineinschreibt "Wer das liest, soll auf der Stelle tot umfallen", sondern dass es alle lesen dürfen. Und dass das schon auf der ganzen Welt so ist und auch sehr beliebt.

Ich habe das ja zuerst gar nicht glauben wollen, weil früher habe ich mein Tagebuch immer mit einem kleinen Schlüssel zugesperrt, damit es ja niemand lesen kann. Aber dann hat sie mir solche Tagebücher im Internet gezeigt und das hat mich ganz neugierig gemacht. Und ich hab gesehen, dass ganz viele spannende Erlebnisse geschrieben werden von ganz normalen Leuten. Und da hab ich mir gedacht: "Du erlebst doch auch immer so viel und das wollen die Leute sicher auch lesen und dann freuen sie sich so wie du jetzt."

Und da war meine liebe Frau Nachbarin - ein junger Mensch, aber wirklich sehr hilfsbereit - so nett, und hat mir alles gezeigt und geholfen und so. Und jetzt habe ich auch ein Tagebuch im Internet. Und bin ganz aufgeregt.

Das war heute mein großes Erlebnis.

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